Ein aromatisches Orangen-Trifle besitzt die wunderbare Gabe, jede noch so unerfreuliche Begegnung mit süßer Leichtigkeit verblassen zu lassen.
Das Wetter der vergangenen Wochen hatte die hügelige Landschaft mit einer dichten, weißen Schneedecke überzogen. Die eisigkalten Temperaturen taten ein Übriges dazu, dass Maude am liebsten mit einer wärmenden Tasse Tee drinnen blieb. Wäre da nicht Sir Henry gewesen, sie hätte wohl keinen Fuß vor die Tür gesetzt. Doch der Basset war mittlerweile zu einem festen Mitbewohner in ihrem kleinen Cottage geworden. Selbst wenn er bis zu den Ohren im Schnee versank, wollte er doch ab und zu an die frische Luft. Wie gut, dass dafür auch eine kurze Runde im Garten ausreichte.
Da war es auch kein Wunder, dass sie ihre Freundin Heather nicht so oft wie sonst gesehen hatte. Zwar wohnten die beiden Freundinnen gar nicht weit von einander entfernt, doch auch Heather ging in den vergangenen Wochen nicht so oft vor die Tür wie sonst. Deshalb wurde es jetzt mal wieder Zeit für eine gemütliche Tasse Tee. Diesen Gedanken fasst Maude genau in dem Moment, als Heather an die Tür klopft.

„Heather, komm herein. Ich habe gerade an dich gedacht. Du kannst doch nicht etwa Gedanken lesen?“, fragt Maude.
„Nein, meine Liebe, leider habe ich diese Fähigkeit nicht. Ich habe sie auch nicht während der langen Wintertage entwickelt“, erwidert Heather schmunzelnd.
Maude, die bereits den Wasserkessel auf den Herd stellt, fragt: „Du trinkst doch eine Tasse mit mir?“
„Aber sehr gerne. Deinen Tee habe ich wirklich schrecklich vermisst“, antwortet Heather begeistert.
„Scones habe ich leider keine mehr, die ich dir zum Tee anbieten könnte. Aber vielleicht möchtest du stattdessen etwas von dem Orangen-Trifle probieren, das ich heute Morgen zubereitet habe?“, fragt Maude mit einem besorgten Unterton ihre Freundin.
„Dear, wenn es etwas gibt, das ich fast genauso gerne esse wie deine Scones, dann sind es deine Trifles. Doch verrate mir, hast du jemals zuvor ein Orangen-Trifle gemacht?“, fragt Heather neugierig.
„Du hast recht, Orangen-Trifle habe ich zuvor noch nie ausprobiert. Doch gestern war ich im Gemüseladen. Dort lagen so wunderbar glänzende und duftende Orangen, dass ich gleich ein paar davon mitgenommen habe. Zu Hause wusste ich dann gar nicht, was ich daraus machen sollte“, erklärt Maude.

„Da hast du wohl ein paar mehr gekauft, oder?“, vermutet Heather.
Während Maude Teetassen und Glasschälchen für das Trifle auf den Tisch stellt, sagte sie ein bisschen kleinlaut: „Ein paar mehr waren es schon.“ Und dann mit voller Überzeugung: „Aber die waren auch wirklich erstaunlich günstig!“
Heather hakt nach: „Nur damit ich das richtig verstehe: Du warst im Gemüseladen und hast günstige Orangen gekauft? Ist O’Donnelly etwa nicht mehr da?“
„Ach, ich glaube nicht, dass wir es noch erleben werden, dass O’Donnelly das Dorf verlässt. Er hat mich in seiner unverwechselbaren Art auch gestern wieder bedient“, antwortet Maude. Und fügt dann hinzu: „Doch irgendwie war Mr O’Donnelly gestern anders als sonst.“
„Du meinst, er war noch unhöflicher?“, will Heather wissen.
„Nein, das war es nicht. Er schien mir ein wenig … durcheinander zu sein. Ich erzähle es dir an Anfang an.“
Gespannt auf den Bericht ihrer Freundin beugt sich Heather über den Tisch.
„Gestern drängelte Sir Henry sehr“, beginnt Maude ihre Erzählung. „Er wollte unbedingt einen Spaziergang machen. Also bin ich mit ihm ins Dorf gegangen, um etwas einzukaufen. Du kanst dir wohl vorstellen, dass meine Vorräte sind langsam aufgebraucht sind.“
„Nun mach es nicht so spannend und erzähl schnell weiter!“, drängelt Heather.
Maude nippt am Tee, bevor sie weitererzählt: „Als wir am Gemüseladen ankamen, kam O’Donnelly gerade aus der Tür. Er tippt er sich zum Gruß an seine Mütze – du weißt ja, wie er das immer macht. Als er Sir Henry sah, begann er sofort zu keifen: ‚Nehm‘ Se den Hund wech. Aber sofort!‘.
Ich muss gestehen, Heather, ich war leicht verblüfft. Sir Henry hatte doch nicht mal den Schwanz gewedelt! Aber ich sagte nur mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen: ‚Natürlich, Mr O’Donnelly. Sir Henry ist zwar ein ganz harmloser alter Junge, aber wir wollen Ihnen ja nicht den Tag verderben.'“
Heather lacht und wirft mit trockenem Humor: „Wenn O’Donnelly Sir Henry für gefährlich hält, frage ich mich, was er erst von Hunden denken würde, die größer als ein Pudel sind!“
Beide Frauen lachen laut auf, bevor Maude weitererzählt.
„Ich wusste gar nicht, was O’Donnelly diesmal wieder hatte. Ein wenig irritiert fragte ich ihn, ob er etwas dagegen hätte, wenn ich in seinem Laden etwas einkaufen würde.
‚Mam, ich hab zu tun. Mach’n Se ’s kurz und lassen Se den Hund drauß’n!‘, knurrt er.
Als ob ich ihn um seine letzte Kartoffel gebeten hätte.“ Dabei schüttelt Maude lachend den Kopf.
„So kennen wir unseren Gemüsehändler wirklich nicht“, wirft Heather ein.
Warum Maude ein paar mehr Orangen gekauft hat, liest du nach dem Rezept ↓
Rezept: Orangen-Trifle mit Amaretto
Zutaten
für 6 Portionen
- 1 Päckchen Vanillepudding
- 50 g Zucker
- 600 ml Milch
- 400 ml Sahne
- 4 Orangen
- 12 Löffelbiskuit
- 4 EL Orangenmarmelade
- 20 ml Amaretto

Zubereitung
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Abkühlzeit: 1 Stunde
Für das Orangen-Trifle benötigst du eine Glasschale mit einem Fassungsvermögen von ca. 1 Liter. Die Schale sollte einen möglichst flachen Boden haben und eher hoch als breit sein. Je nach Größe und Form der Schale können die Zutatenmengen variieren.
- Aus Puddingpulver, Milch und Zucker einen nicht ganz so festen Vanillepudding kochen. Beiseitestellen und abkühlen lassen.
- Orangen schälen und filetieren.
- Sahne schlagen und in einen Spritzbeutel füllen.
- Auf dem Boden einer Glasschale die Orangenmarmelade verteilen.
- Darauf die Hälfte der Löffelbiskuits legen und mit Amaretto beträufeln.
- Die Hälfte der filetierten Orangenscheiben auf die Löffelbiskuits legen.
- Darüber die Hälfte des Vanillepuddings verteilen.
- Die Hälfte der Schlagsahne darüber geben.
- Die Schritte 4 – 7 wiederholen, bis die Schale gefüllt ist.
- Die oberste Schicht Schlagsahne mit Orangen garnieren.
- Vor dem Servieren das Orangen-Trifle im Kühlschrank aufbewahren.





Nährwertangaben/Portion
| Kohlenhydrate | Eiweiß | Ballaststoffe | Fett | BE |
|---|---|---|---|---|
| 47,3 g davon Zucker: 35,7 g | 7,3 g | 0,8 g | 25 g | 3,4 |
Das Glukose-Fruktose-Verhältnis beträgt 1 : 1.
Meine Praxis-Tipps
- Für eine alkoholfreie Variante kannst du Mandelsirup verwenden.
- Das Orangen-Trifle kannst du auch in Portionsschalen anrichten. Dafür genügt eine Schicht aus Löffelbiskuits, Orangenscheiben, Vanillepudding und Schlagsahne.
Fortsetzung der Geschichte
„Also flüsterte ich Sir Henry ins Ohr, dass er warten soll, bis ich wieder da bin und betrat dann das Geschäft. Ich legte einen orangefarbenen Kürbis, ein paar Karotten, Kartoffeln und was ich sonst noch brauchte in den Einkaufskorb und bemerkte dann die leuchtenden Orangen.
‚Das sind doch Bio-Orangen, oder?‘
‚N’türlich! Ha’m Se was an’ers erwartet?‘, antworte er im schnoddrigen Ton.
‚Und was kosten die, bitte schön?‘, fragte ich ihn.
‚Das Kilo kostet 2 Pfund 50. Wie viel woll’n Se davon?‘, fragt er kurz angebunden.
Weil das wirklich günstig war, nahm ich gleich fünfzehn Orangen. Schnell packte er mir die in meine Einkaufstasche. Dann rechnete er alles zusammen und kassierte. Zum Abschied wedelte er mit der Hand in Richtung Tür, als ob es ihm nicht schnell genug gehen konnte, bis ich wieder draußen war.“
Maude macht eine kleine Pause, nimmt einen Schluck Tee und sagt mit gespielter Empörung: „Ich wollte ja nun wirklich nicht auch noch Tee mit ihm trinken!
Denk nur, Heather,Als ich den Laden verließ, sah ich, dass die normalen Orangen auch 2 Pfund 50 kosteten. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass die Bio-Orangen genauso teuer sein sollten. Heather, ich bin glaube fast, dass sich O’Donnelly im Preis versehen hat. Einen Sonderpreis hat er mir sicherlich nicht gemacht.“ Dabei zwinkert sie Heather zu.

„Da bin ich ganz einer Meinung, meine Liebe“, bestärkt sie ihre Freundin. „Was glaubst du, weshalb unser Gemüsehändler so ausgesprochen unhöflich war?“
Maude denkt einen Moment darüber nach. „Ich glaube, dass es an Sir Henry lag. Du kennst Sir Henry, er würde keiner Seele etwas zuleide tun. Auch O’Donnelly nicht. Da bin ich mir sicher.“
„Ich glaube fast, dass die Milch für seinen Morning Tea sauer war“, vermutet Heather. Übrigens, dein Orangen-Trifle schmeckt vorzüglich. Ich hätte nichts dagegen, wenn du es öfter machen würdest.“
„Aber nur, wenn O’Donnelly ein besonders günstige Angebot hat“, antwortet Maude und lacht.“Obwohl …“, sie nimmt einen Schluck Tee und seufzt. „Mir seine Art heute doch gehörig zu schaffen gemacht hat.“
„Oh, das verstehe gut, meine Liebe“, antwortet Heather. „Doch O’Donnelly hat nun mal den einzigen Gemüseladen in Carew Hill. Würden wir statt dessen mit dem Bus zum nächsten Supermarkt in die Stadt fahren, wäre es einfach nicht dasselbe, oder? Bei O’Donnelly wissen wir wenigstens, was uns erwartet.“ Nach einer kleinen Pause ergänzt sie ihre Ausführung noch trocken: „Außerdem … wer würde uns dann mit solch unvergleichlicher Konversation versorgen?“
Und damit fangen die beiden Freundinnen an, schallend zu lachen.
~ Was O’Donnelly gegen Sir Henry hat, klärt sich bald auf. ~
Guten Appetit wünscht
Inga,
die Jahreszeitenköchin
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Alle Geschichten mit Maude und Heather
Quellen
- eigene Geschichte
- eigenes Rezept
- eigenes Wissen
- eigene Erfahrungen










