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Ein „Bremer Teller“ aus der Jahreszeitenküche

3.8.2022, Jahreszeitenküche. Ein Team von Radio Bremen klingelt an meiner Tür, um mich dabei zu filmen, wie ich einen „Bremer Teller“ zubereite. Uih, das ist ganz schön aufregend.

Die Aufregung begann allerdings schon eine Woche zuvor. Als nämlich eines Nachmittags das Telefon klingelte und Till Oeppert dran war. Die Stimme habe ich sofort erkannt. Immerhin schaue ich mir bei butenunbinnen sehr gerne die Reihe „Bremer Teller“ an. Als Stimme aus dem Off moderiert Till Oeppert das, was dort gekocht wird.

Und jetzt hatte ich diese wohlklingende und sympathische Stimme am Telefon. Ob ich denn einen „Bremer Teller“ kochen möchte? Ob ich das wollte? Was für eine Frage! Welches Gericht ich denn zubereiten würde? Darüber musste ich erst einmal nachdenken.

Auf einem weißen Teller liegen glasierte Karotten, Hüttenkäsepuffer und ein veganer Dip.

Zwei (fast) schlaflose Nächte mit vielen guten und verworfenen Ideen später, wusste ich es. Es sollte

geben.

Den Honig für die glasierten Karotten kaufe ich bei einer Imkerin in der Nachbarschaft. Die Eier bekomme ich ebenfalls von der Imkerin. Dort haben 13 glückliche Hühner und zwei Hähne in einem großen Garten Freilauf. Außerdem darf ich dort für diesen besonderen Anlass Karotten aus dem Hochbeet ziehen und Salbei pflücken.

Und damit bekommt dieser „Bremer Teller“ bei schönstem Sonnenwetter eine traumhafte Rahmenhandlung.

Vier Stunden Drehzeit mit vielen Wiederholungen später ist der „Bremer Teller“ im Kasten. Zum Abschluss sitze ich mit der Imkerin auf einer Bank vor dem Haus. Auf dem Tisch vor uns steht das, was ich in meiner Jahreszeitenküche gekocht habe. Doch nicht auf einen Teller angerichtet, sondern in picknickgeeigneten Glasbehältern und Papier verpackt.

Im Schatten bei einem Glas kalten Rhabarbersaft genießen wir die süß-aromatischen Karotten zu den würzigen Hüttenkäsepuffern. Dabei tauchen wir mal das eine, mal das andere in den Dip und lassen einen ereignisreichen Tag ausklingen.

Rezept: „Bremer Teller“


  Ein Jahreszeitenrezept von Inga Landwehr
Menge 1 Portion
Küche deutsch
Gericht Snacks
Besonderes Mealprep, vegetarisch
Zubereitungszeit 1 Std. 15 Min.
Arbeitszeit 1 Std. 15 Min.

Zutaten

für einen „Bremer Teller“

• für die Hüttenkäsepuffer mit Salbei

  • 200 g Hüttenkäse
  • 40 g Dinkelmehl
  • 4 – 6 Salbeiblätter (je nach Größe)
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 Ei
  • 1 TL Flohsamen
  • Kräutersalz

• für die glasierten Karotten

  • 5 frische Möhren
  • 1 EL Olivenöl
  • 2 EL Butter
  • 1 EL Honig (eine würzige Sorte verwenden, wie z. B. Waldhonig)
  • 1 TL Ras-el-Hanout
  • 1 TL Sesam
  • 1 TL Schwarzkümmel

Vegane Variante: Butter durch eine pflanzliche Alternative ersetzen. Anstatt Honig Muscovadozucker nehmen. Dadurch bekommt der Sirup einen leichten Karamellgeschmack.

• für den veganen Dip

  • 200 g Soja-Quark
  • 100 g Soja-Sauerrahm
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 EL Kürbiskernöl
  • 1/2 TL gemahlene Ajowansamen
  • 1 Prise Chili
  • Kräutersalz
  • Pfeffer
  • frische Sprossen
Auf einem Holzbrett liegt gehackter Salbei. Im Hintergrund sind Glasschüsseln mit den Zutaten für den Bremer Teller

Zubereitung

Zubereitungszeit: 1 Stunde, 15 Minuten

• Hüttenkäsepuffer mit Salbei

Dieses Rezept gibt es bereits auf meinem Blog. Ich habe es etwas abgewandelt und bin mit dieser Variante sehr zufrieden.

  1. Salbei fein hacken.
  2. Salbei mit den anderen Zutaten zu einem Teig verarbeiten.
  3. Mit einem Esslöffel neun Teighäufchen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen.
  4. Bei 210 °C ca. 20 Minuten backen. Nach der halben Backzeit wenden und mit einem Pfannenwender flach drücken.
    WICHTIG: Die Hüttenkäsetaler sollten mit Unter- und/oder Oberhitze gebacken werden. Bei Umluft werden die Hüttenkäsekörner hart.

• Glasierte Karotten

  1. Karotten-Grün großzügig oberhalb der Wurzel und Wurzelausläufer abschneiden; Karotten waschen und gut trocknen.
  2. Karotten mit Öl einpinseln und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen.
  3. Im vorgeheizten Backofen bei 200 °C 20 – 30 Minuten backen.
  4. Butter in einer Pfanne zerlassen, Honig und Ras-el-Hanout dazugeben und solange erhitzen, bis daraus ein Sirup entsteht.
  5. Sesam und Schwarzkümmel mischen und gleichmäßig in der Pfanne verteilen.
  6. Gebackene Karotten hineinlegen und darin schwenken, bis diese gleichmäßig mit dem Sirup überzogen sind.

• Veganer Dip

  1. Knoblauchzehe fein hacken.
  2. Alle Zutaten zu einer glatten Creme verrühren.
  3. In kleine Schüsseln füllen und mit frischen Sprossen garnieren.

Meine Tipps

  1. Der „Bremer Teller“ schmeckt kalt und warm und eignet sich auch sehr gut für ein Picknick.
  2. Der vegane Dip ist prima zu Pellkartoffeln oder als Brotaufstrich.
  3. Die Hüttenkäsepuffer schmecken besser kalt als warm und eignen sich hervorragend als Snack oder Vorspeise.
  4. Wenn du die veganen Bio-Zutaten im Lebensmittelhandel nicht bekommst, kannst du auch Quark nehmen.

Viel Spaß beim Nachkochen wünscht
Inga Landwehr,
die Jahreszeitenköchin

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Auf einem türkisfarbenen Teller liegen 5 glasierte Karotten. Quer darüber liegt eine Gabel und im Hintergrund sind frische Möhren

Hinter den Kulissen

Den Anruf von Herrn Oeppert habe ich dem Porträt, das über mich am 25.7.2002 in der Norddeutschen erscheinen ist, zu verdanken. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ein Zeitungsbericht, einen Auftritt im Regionalfernsehen nach sich ziehen könnte. Kurz: Mich hat dieser Anruf wirklich überrascht.

Vor der Kamera zu kochen braucht viel mehr Zeit, als wenn ich einfach so etwas in der Küche mache. Wenn sich dazu noch eine kleine Portion Aufregung gesellt, kann dabei schnell etwas schief gehen. Und weil ich ja keine gelernte Köchin bin, habe ich alles ein paar Tage vorher schon mal zur Probe gekocht. Sicher ist sicher.

Damit hatte ich auch Zeit genug, Fotos von den Gerichten zu machen. Deshalb ist der Dip mit frischen Radieschen-Sprossen garniert, was ich unbedingt empfehle. Bei den hochsommerlichen Temperaturen während des Drehs habe ich davon Abstand genommen. Auf Sprossen bilden sich nämlich schnell Bakterien, die alles andere als gesund sind.



Dass ich alles schon einmal vor dem Dreh gekocht und geknipst habe, hat zwar einen kompletten Tag in Anspruch genommen, war aber im Nachhinein die richtige Entscheidung. Denn während des Drehs hätte ich weder Zeit noch Ruhe gehabt, um Fotos zu machen. Mal ganz abgesehen davon, dass in meiner kleinen Küche auch kein Platz mehr war, um meine eigene Beleuchtung aufzubauen. Denn die Küche war komplett von schwerem Profi-Equipment belegt.

Den noch verbleibenden Platz brauchte die Kamerafrau, um das Szenario mal aus dieser, mal aus jener Perspektive zu drehen. Das war zeitweise ziemlich eng – aber wenn’s der Sache dienlich ist, mache ich alles mit.

Die Tonfrau stand währenddessen im Flur und hat akribisch darüber gewacht, dass das, was ich sage, in guter Qualität aufgezeicht wird. Dafür hatte sie mich vor Drehbeginn mit so einem kleinen Ansteckmikrofon ausgestattet.

Alles in allem kann ich sagen, dass es eine spannende Erfahrung war. Das Einzige, das ich bedaure ist, dass ich keine Gelegenheit hatte, das Szenario aus meiner Perspektive zu knipsen. Sollte nicht sein.

Ein Stapel Hüttenkäsepuffer auf einem kleinen Teller. Obendrauf ein Salbeiblatt

Am Schluss möchte ich erwähnen, dass ich für meinen Einsatz kein Honorar erhalten habe. Für die Beschaffung der Zutaten habe ich weder Kosten noch Mühen gescheut.

Vielen Dank, liebes butenunbinnen-Team, für Ihren Besuch in der Jahreszeitenküche, den damit verbundenen Blick hinter die Kulissen und den schönen Sendebeitrag am 20.8.2022.

Meine vegetarischen Rezepte

Zugegeben, der Dip ist nur deshalb vegan, weil mich ein aktueller Podcast über die Zukunft des Fleischkonsums nachdenklich gemacht hat. Sowohl die glasierten Karotten als auch die Hüttenkäsepuffer enthalten tierische Produkte. Doch beide können auch vegan zubereitet werden.

Den Honig für die glasierten Karotten ersetzt du durch Muscovadozucker. Das ist problemlos möglich und schmeckt leicht nach Karamell – sehr lecker! Veganen Hüttenkäse kannst du selber machen. Rezepte dafür gibt es im Internet viele, ausprobiert habe ich bisher keins. Ich kann dir deshalb nicht versprechen, ob die Hüttenkäsepuffer damit gelingen. Probiere es einfach aus und berichte mir davon in den Kommentaren.

In einer kleinen Schale ist ein veganer Dip mit Radieschen-Sprossen

Mal abgesehen davon, dass diese Mahlzeit sehr lecker ist, tust du dir auch noch etwas Gutes für deine Gesundheit. Denn sie ist eiweißreich, Low Carb und reich an Ballaststoffen. Einen wesentlichen Anteil daran haben die Flohsamen, mit denen ich die Hüttenkäsepuffer mache.

Insgesamt ist dies eine ausgewogene vegetarische Mahlzeit. Abgesehen von den Vitaminen C und D enthält sie alle anderen Vitamine. Allen voran sei hier Vitamin A genannt, das auf die Karotten zurückzuführen ist.

Aber auch Vitamin K und die B-Vitamine (allen voran Vitamin B12) sind hier reichlich enthalten. Insbesondere der hohe Anteil an Vitamin B12 ist für Langzeit-Vegetarier interessant. Auch eine ausreichende Versorgung mit allen essenziellen Mineralstoffen ist gewährleistet.

Menschen mit einer Fruktosemalabsorption/Fructoseintoleranz sollten den glasierten Karotten mit Vorsicht begegnen, auch wenn das Verhältnis von Glucose und Fructose fast 1:1 beträgt. Doch ich kann versichern, dass der „Bremer Teller“ auch dann ein großer Genuss ist, wenn nur Hüttenkäsepuffer mit dem Dip darauf liegen.

Podcast-Tipp ♫

Wen dürfen wir essen? – Doku über die Zukunft des Fleischkonsums


Portrait von Inga landwehr

Inga Landwehr kocht und backt seit 40 Jahren vegetarisch und vegan. Die Zutaten sind immer frisch, meistens bio und oft regional. Ihre besten Kochrezepte schreibt sie hier auf. Dabei achtet die zertifizierte Ernährungsberaterin auf gesunde Nahrung. Außerdem hat sie ein Faible für schöne Kochbücher und kulinarische Belletristik. Ach ja, Inga trinkt Tee.


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