Bärlauchbutter

Nach langer Reise kehrt der freigeküsste Froschkönig ins Schloss zurück und genießt frisches Brot mit würziger Bärlauchbutter. Lies die Fortsetzung des Märchens und entdecke das passende Rezept.

Jahre war es her, dass Prinzessin Feodora und Prinz Konstantin geheiratet hatten. Abgemacht und versprochen war es, erst dann ein großes Fest zu feiern, wenn die Hexe, die Feodoras geliebten Prinzen mit einem Fluch belegt hatte, unschädlich gemacht worden wäre. Das hatte Prinz Konstantin feierlich geschworen, nachdem er von der schönen und liebreizenden Prinzessin durch einen Kuss von einem Zauber befreit worden war.

Weil sie sich aber vor Liebe und Zuneigung zueinander verzerrten und deshalb nicht länger warten wollten, willigte der König schließlich ein, die Hochzeit und das dazu gehörige Fest eher zu feiern. Danach sollte der Prinz in die Welt hinausziehen und die Suche nach der bösartigen Hexe beginnen. So kam es, dass der Prinz immer wieder mit einem großen Tross loszog, um seinen Schwur zu erfüllen. Er zog mal nach Norden, mal nach Süden und kehrte doch immer unvollendeter Taten zu seiner Prinzessin zurück.

Neben Brotscheiben liegt auf einem silbernen Teller Bärlauchbutter.

Kaum war er im Palast angekommen, zog es ihn nach kurzer Zeit wieder fort. So verabschiedete er sich dann mit einem langen, sehnsüchtigen Kuss von seiner über alles geliebten Prinzessin, um in einer anderen Richtung die Suche fortzuführen. Zu groß war die Sorge, dass die Hexe den Prinzen erneut verzaubern würde. Als Frosch hatte er das Herz der Prinzessin erobern können. Was aber, wenn die Hexe ihn in eine Fliege verwandeln würde? Oder schlimmer noch, in einen feuerspeienden Drachen. Würde Prinzessin Feodora ihn dann überhaupt erkennen und erneut erlösen? Bei diesem Gedanken wurde es ihm immer schwerer ums Herz und deshalb verließ er den Palast immer wieder.

Unerwartete Veränderungen

So war es auch nicht verwunderlich, dass er nicht mitbekam, welche Änderungen sich bei Hofe zutragen hatten. Als er eines Tages müde und erschöpft wieder das Schloss erreicht, ist keine Dienerschaft da, ihn zu begrüßen. Statt dessen eilt ihm die Prinzessin höchstselbst entgegen. Sie fallen sich in die Arme und mögen sich gar nicht wieder loslassen, so sehr haben sie einander vermisst.

Nachdem sie lange so in der Halle stehen und sich noch immer keine Diener haben blicken lassen, bittet Konstantin seine hübsche Feodora: „Bitte rufe meinen Kammerdiener herbei, er möge mir ein Bad einlassen. Meine Knochen sind ganz steif von dem langen Ritt.“
Die Prinzessin aber antwortet: „Dein Kammerdiener Heinrich hat uns zusammen mit den anderen Dienern verlassen, nachdem der König gestorben war.“

Traurig blickt Konstantin seine Feodora an. Doch sogleich hellt sich seine Miene wieder auf: „Wenn der König gestorben ist, dann bist du jetzt Königin, oder? Das ist ja wundervoll, mein Schatz.“
„Nicht so wundervoll, wie du wohl annehmen magst. Ich erzähle dir alles in der Küche. Dort wartet ein Becher Wein auf dich.“

In der Küche angekommen, setzen sie sich an den langen, blank gescheuerten Holztisch, an dem früher immer die köstlichsten Speisen zubereitet worden waren. Jetzt aber stehen dort nur ein irdener Krug, ein Brotkorb und gleich daneben auf einem Silberteller liegt grün-gelbe Butter.

Neben Brotscheiben liegt auf einem silbernen Teller Bärlauchbutter. Dahinter ist eine goldene Kugel

Die Prinzessin schenkt aus dem irdenen Krug samtig rot schimmernden Wein in zwei Kristallgläser. Es ist eine kurze Geschichte, die sei zu erzählen weiß. Der König war vor Gram gestorben, weil seine Schatzkammer leer war. Für die lange Suche nach der bösen Hexe hatte er schließlich alles Gold ausgegeben.

Königliche Bärlauchbutter

Nachdenklich trinkt der Prinz von seinem Wein. Gedankenverloren bestreicht er sich eine Scheibe Sauerteigbrot mit der ungewöhnlich aussehenden Butter. Sogleich hellt sich seine Mine auf. Es schmeckt vorzüglich. Prinzessin Feodora, die das sieht, fragt sogleich, ob ihm die Bärlauchbutter schmecken würde.

„Was für eine Frage!“, entgegnet der Prinz. „Die hat dir sicher einer unserer Bauern vorbeigebracht?“, will er noch wissen.
„Au contraire! Die habe ich selber gemacht“, antwortet die Prinzessin nicht ohne Stolz.
„Tu?“, fragt der Prinz verblüfft.
„Bien sûr! Wer sonst sollte mir etwas bringen? All unser Gesinde ist den Dienern gefolgt. Ich hatte kein Gold mehr, sie zu bezahlen“, antwortet Feodora mit fester Stimme.
„Oh, mein Liebes, was hast du nur durchgemacht?“, fragt Konstantin voller Mitgefühl und schaut seine über alles geliebte Frau zärtlich an.

Nach einer Weile fragt er: „Haben wir gar kein Gold mehr?“
Feodora zögert einen Moment, bevor sie antwortet: „Der König hat mir auf dem Sterbebett eine kleine Kassette mit Goldmünzen gegeben. Ich musste ihm versprechen, jedem unserer treuen Diener ein Goldstück zu geben.“

Wie Konstantin reagiert, nachdem er erfahren hat, dass kein Gold mehr da ist, liest du nach dem Rezept

Rezept: Bärlauchbutter


  Ein Jahreszeitenrezept von Inga Landwehr
Menge 10 Portionen
Küche deutsch
Gericht Brotaufstrich
Besonderes günstig, schnelle Küche
Zubereitungszeit 10 Minuten
Gesamtzeit 10 Minuten

Zutaten

für 10 Portionen

  • 125 g weiche Butter
  • 10 Blätter Bärlauch (ca. 10 g)
  • 1/2 TL Prise Kurkuma
  • schwarzer Pfeffer
  • Kräutersalz
Neben Brotscheiben liegt auf einem silbernen Teller Bärlauchbutter. Darunter eine Frosch-Figur und darüber eine goldene Kugel

Zubereitung

Zubereitungszeit: 10 Minuten

  1. Bärlauch gründlich waschen, trocknen und fein hacken.
  2. Weiche Butter mit einer Gabel zerdrücken, Gehackten Bärlauch und Gewürze zugeben.
  3. Die Bärlauchbutter im Kühlschrank fest werden lassen und vor dem Servieren mit einer Buttermodel in Form bringen.

Nährwertangaben/Portion

KohlenhydrateEiweißBallaststoffeFettBE
0,1 g
davon Zucker: 0,1 g
0,1 g0,02 g10,4 g0,01

Das Glukose-Fruktose-Verhältnis beträgt 0,82 : 1.

Meine Praxis-Tipps

  1. Anstatt einer Buttermodel kannst du auch einen Plätzchen-Ausstecher nehmen.
  2. Die Butter löst sich leichter aus der Buttermodel, wenn diese zuvor eine halbe Stunde in kaltem Wasser gelegen hat.
  3. Die Bärlauchbutter hält sich ungefähr eine Woche, kann aber auch eingefroren werden.
  4. Für die vegane Variante nimmst du vegane Butter. Das schmeckt genauso lecker!

Fortsetzung der Geschichte

„Und der Rest?“, fragt Konstantin ungeduldig.
„Den bewahre ich zusammen mit meiner goldenen Kugel an einem sicheren Ort auf“, antwortet Feodora mit leiser Stimme.
„Wo? Sag es mir sofort! Ich muss weiter nach der Hexe suchen“, herrscht Konstantin seine Gattin an.

„Mein geliebter Konstantin, versteh doch, wir haben kaum noch Gold. Du musst hierbleiben. Deine Suche ist beendet“, entgegnet Feodora sanftmütig.
„Ich bin dein Gemahl! Ich befehle dir, mir das Gold sofort zu geben!“, wütend steht Konstantin vom Tisch auf.

Wie ein unerwartetes Gewitter bricht über das königliche Paar ein Streit herein. Mit Gezeter und Mordio gehen Tassen und Teller zu Bruch. Schließlich stürmt Konstantin hinaus. Feodora bleibt allein zurück. Den Kopf in die Hände gestützt sieht sie den Tränen zu, die ungehindert auf die hölzern Platte des Tisches tropfen.

Alte Küchenuntensilien und der Froschkönig im Hintergrund. Im Vordergrund ein Teller mit Bärlauchbutter und Brotscheiben

War es wirklich eine so gute Idee gewesen, als sie vor Jahren den glibberigen grünen Frosch mit an die königliche Tafel ihres Vaters genommen hatte? Was wäre ihr nicht alles erspart geblieben! Zum ersten Mal, seit sie und Konstantin ein Paar waren, beschlichen sie leise Zweifel. Doch was hätte sie alles versäumt, wenn der Froschkönig sie nicht beim Suppeessen überlistet hätte?

Als die Tränen langsam versiegen, bestreicht sie sich eine Schreibe Brot mit der köstlichen Bärlauchbutter und isst es langsam und mit großem Genuss. Dabei dachte sie zurück, was sie alles gelernt hatte, seit sie auf sich alleine gestellt war. Das hätte sie sich nie träumen lassen! Bei diesem Gedanken strafft sie den Rücken, richtet ihr Krönchen und während sie vom Tisch aufsteht, stampft mit dem linken Fuß auf. „Ich bin die Königin“, sagt sie laut.

Wie sehr sie Konstantin auch liebte, er würde kein Gold von ihr bekommen. Das, was sie noch hat, würde sie nicht für die Suche nach der bösen Hexe verschwenden. Zutiefst ist sie davon überzeugt, dass die Liebe, die sie mit Konstantin verbindet, stärker ist als jeder Fluch. Da ist sie sicher!

Entschlossen inspiziert sie die Vorräte. Es ist Zeit, das Abendessen zu bereiten.

Guten Appetit wünscht
Inga,
die Jahreszeitenköchin

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Hinter den Kulissen

Das Märchen vom Froschkönig habe ich vor vielen Jahren neu erzählt, aufgeschrieben und auf der Klangkugelwelt veröffentlicht. Damit war die Geschichte für mich abgeschlossen, schließlich ging es bei der Neuerzählung nur darum, eine goldene Klangkugel im Märchen zu platzieren. Doch das Leben geht manchmal eigene Wege, die es erforderlich machen, einen Faden wieder aufzugreifen.

Doch von Anfang an. Vor einigen Monaten lernte ich Martin Heckmann, einen professionellen Sprecher, kennen. Seine große Leidenschaft ist es, Geschichten von HobbyautorInnen vor Publikum zu lesen. Nachdem ich davon erfahren hatte, dass für die „Geschichten aus dem Quartier“ Geschriebenes von HobbyschriftstellerInnen aus Bremen-Nord gesucht wurden, habe ich Martin Heckmann ein paar meiner Rezepte mit Geschichte geschickt.

Gleichermaßen ungeduldig und aufgeregt habe ich auf den Tag gewartet, an dem meine Geschichte vorgelesen wird. Ich war wirklich sehr gespannt darauf, wie ein ausgebildeter Sprecher das, was ich geschrieben hatte, vortragen würde. Am 7. Oktober 2025 war es endlich soweit: Die Vegesacker-Geschichten, wie das Projekt damals noch hieß, wurden zum ersten Mal im Norden Bremens vorgetragen.

Die Art, wie Martin Heckmann meine Geschichte zum Rote-Bete-Strudel in seiner schönsten Vampirstimme vorgelesen hat, hat mich sofort begeistert. Das war allemal beeindruckender, als ich es jemals könnte.

Das Ganze wurde allerdings durch einen passenden Song, den Jürgen Schöffel eigens dafür ausgesucht und interpretiert hat, getoppt. Zu meinem Rote-Bete-Strudel wurde „Love me tender“ ausgewählt. Passender geht es kaum!

Nach diesem großen Erfolg folgte am 10. April 2026 eine weitere Lesung in Bremen-Blumenthal. Wie auch bei der vorherigen Lesung habe ich Martin Heckmann gebeten, eine meiner Geschichten auszuwählen. Ich hatte also keine Ahnung, dass meine Neuerzählung des Froschkönigs ausgewählt worden war, um den Abend zu eröffnen. Und genau so, wie es in der Jahreszeitenküche immer einen cliff hanger gibt, hat auch Martin Heckmann einen solchen beim Froschkönig eingebaut und in der dadurch entstandenen Leseunterbrechung auf meinen Foodblog verwiesen.

‚Oh je ausgerechnet der Froschkönig‘, dachte ich sofort. Bitte versteh mich nicht falsch. Ich mag diese Geschichte und hatte auch viel Spaß daran, sie zu schreiben. Doch ein Rezept gibt dazu nicht und soll es auch nicht geben. Da war dann der Hinweis auf die Jahreszeitenküche sehr gut gemeint, letztendlich aber doch nicht so ganz passend. Was, wenn einer der Zuhörer den Froschkönig noch einmal lesen möchte und die Geschichte nicht findet?

Um aus der Not eine Tugend zu machen und Zuhörer, die meine Geschichte vom Froschkönig gehört habe, etwas anbieten zu können, habe ich zu diesem Bärlauchbutter-Rezept eine Fortsetzung meiner Märchenerzählung geschrieben. Ich hoffe, du hattest beim Lesen genauso viel Freude wie ich beim Schreiben.

Ich will nicht vergessen zu erwähnen, dass Martin Heckmann den Froschkönig zur Freude aller Anwesenden wunderbar vorgetragen hat und damit dem oder anderen ein Lächeln, Kichern oder leises Lachen entlockt hat.

Meinen „Froschkönig“ liest du in der Klangkugelwelt.

Wichtig! Bärlauch sammlen

Bei der Wildsammlung von Bärlauch sollten ein paar Dinge beachtet werden, damit Verwechslungen mit ähnlich aussehenden Pflanzen, wie Maiglöckchen oder Herbstzeitlose vermieden werden. Denn Maiglöckchen oder Herbstzeitlose sind extrem giftig! Der Verzehr kann tödlich sein!

Bärlauchbutter

Bärlauch

  • wächst von März bis Mai
  • riecht nach Knoblauch
  • Blätter pfeilförmig
  • Blattadern parallel zur Blattkante
  • Blätter kommen einzeln aus dem Boden
  • Blattoberseite glänzend, Blattunterseite matt
  • Stilform ist dreieckig
  • Blüten sternförmig

Quellen

  • eigene Geschichte
  • eigenes Rezept
  • eigenes Wissen
  • eigene Erfahrungen
Inga Landwehr

Inga Landwehr

kocht und backt seit 40 Jahren vegetarisch und vegan. Ihre besten Kochrezepte mit frischen Bio- und meistens regionalen Zutaten schreibt sie hier auf. Dabei achtet die zertifizierte Ernährungsberaterin auf gesunde Nahrung. Der Schwerpunkt liegt bei Nahrungsmittelintoleranzen und der Krebsprävention. Außerdem hat sie ein Faible für schöne Kochbücher und kulinarische Belletristik. Unterstütze mich!